Die Verenakapelle
Am Ortsausgang Mittelbrunn gegen Landstuhl zu stand einst die Dorfkirche. Nachdem sie den Dreißigjährigen Krieg überdauert hatte, fand in ihr im Jahre 1718 der letzte Gottesdienst statt. Der Landstuhler Pfarrer Dischmann zelebrierte die heilige Messe. Danach wurde sie nicht mehr benutzt, weil Gebäude und Turm einzufallen drohten

Als Ruinen sind heute noch die Grundmauern sowie die Pfeiler und Scheidebögen des Langhauses erhalten. Sie lassen noch so viel stilistische Merkmale erkennen, daß man die Bauzeit bestimmen und die räumlichen Ausmaße feststellen kann. Demnach stammt der Bau aus der 2. Hälfte des 14.Jahrhunderts, aus der gleichen Zeit wie die Pfarrkirche zu Wiesbach, mit der sie mancherlei Übereinstimmung zeigt. Das Hauptschiff, in vier Joche unterteilt, war etwa 15,5 Meter lang und 6,25 Meter breit, das südlich gelegene Seitenschiff hatte eine Breite von rund 3 Metern, zwischen Mittel- und Seitenschiff sind die drei Pfeiler und die aufgesetzten spitzbogigen Scheidebögen noch vorhanden, die das flache Deckengewölbe trugen. Die Gesamthöhe des Raumes mag etwa 5 Meter betragen haben. Der Eingang befand sich an der Westseite, an der Ostseite schloss sich der Chorraum (mit dem Hauptaltar) an, etwas über 4,5 Meter im Quadrat umfassend. Das Seitenschiff Schloss mit einem kleineren, rechteckig gehaltenen Chorraum ab, der anscheinend mit einem gotischen Kreuzgewölbe versehen war, sog. Rippenanfänger weisen noch darauf hin. Auch hier befand sich ein Altar. Über dem Chor des Hauptschiffes erhob sich der Kirchturm, ob er einst eine Glocke trug, ist unbekannt, wenn ja, dann ist sie wohl während der Kriegszeiten des 17. Jahrhunderts verloren gegangen. Wenn wir uns das Innere der Kirche mit der vorreformatorischen Zeit üblichen Ausmalung vorstellen, ergibt sich insgesamt das Bild einer einfachen Dorfkirche , in der sich die Gemeinde zur Andacht versammelte. Für die 20 oder 25 Familien der früheren Zeit bot sie auch genügend Raum.
Grund. und Aufriß der Verenakapelle

Eine vom Wormser Bischof im Jahre 1496 angeordnete Visitation sämtlicher Kirchen des Bistums legte das Ergebnis der Erhebungen im sog. „Wormser Synodale“ nieder. Unter Mittelbrunn ist folgendes (aus dem Lateinischen übersetzt) protokolliert: „Filiale von Landstuhl ist Mittelbrunn. Daselbst ist eine der Heiligen Verena geweihte Kapelle, der Seitenaltar (rechts) ist dem Hl. Nicolaus geweiht. Für die Instandhaltung des Baues haben die Gemeinde Mittelbrunn und die Kirchenfabrik (Kirchengeschworenen) zu sorgen. Daselbst ist auch das ehrwürdige Sakrament der Eucharistie vorhanden und ein Begräbnisplatz. Die Gemeinde hier beschwert sich sehr über die Nachlässigkeit des Priesters in der Ausübung seines Dienstes. Die Strafe für Abwesenheit beträgt 5 Schilling Heller. Der Kirche fließen an jährlichen Einnahmen zu: 2 Pfund Heller (=240 Heller), 15 Malter Roggen, 12 Malter Hafer, 26 Pfund Öl und 2 Pfund Wachs“. So ist es vor bald 500 Jahren aufgeschrieben. Zum besseren Verständnis sind einige Bemerkungen anzubringen. Wer war Verena? Eine christliche Heilige, die um das Jahr 300 in St. Moritz und Solothurn wirkte und in Zurzach begraben sein soll. Ihr Fest ist am 1. September, Ihre Attribute Kamm und Krüglein. Die Legende berichtet, dass sie mit der Thebaischen Legion in die Schweiz gekommen sei. Diese Legion habe Kaiser Maximinianus um das Jahr 300 aus der ägyptischen Thebais gegen die Christen in Gallien gesandt, die Soldaten meuterten jedoch und wurden mit ihrem Führer Mauritius in Saint Maurice im Wallis niedergemetzelt. Aus welchem Anlass die Heilige Verena gerade in Mittelbrunn besondere Verehrung fand, ist nicht bekannt. Der Nebenaltar galt der Verehrung des Hl. Nikolaus. An seinem Festtag, 6. Dezember, werden heute noch die Kinder beschenkt, das ist auch in nichtkatholischen Gebieten alter Brauch. Er galt auch als Schutzheiliger der Seefahrt. In der Pfarrchronik von Landstuhl erklärt der Verfasser, (Herr Pfarrer Konrad), St. Nikolaus war der Patron vieler Burgkapellen. Damit soll angedeutet werden, dass der Bau der Mittelbrunner Kapelle vielleicht auf einen der Adelsherren der Landstuhler Burg zurückgeht, und nennt in diesem Zusammenhang die Grafen von Leiningen, die zu jener Zeit die Hälfte der Herrschaft Nanstein besaßen. Aber die Leininger hatten damals hart um ihren Besitz in Landstuhl zu kämpfen und waren schon 1361 wieder ausgebootet. Seitenaltäre gehen nicht selten auf einen Stifter zurück, der seinem eigenen Namenspatron eine Verehrungsstätte errichtet. Wir finden jedoch keinen Nikolaus oder Klaus in den Landstuhler Adelsfamilien jener Zeit, der als Kirchenstifter in Frage käme. Unsere Verenen-Kapelle ist aber wahrscheinlich gar nicht auf die Stiftung eines Adelsherren zurückzuführen. Ganz eindeutig erfahren wir 1496, dass die Gemeinde Mittelbrunn und ihr Kirchenvorstand für die bauliche Instandhaltung zu sorgen haben. Daraus ist zu folgern, dass die Mittelbrunner einst ihre Dorfkirche aus eigenen Mitteln erbaut hatten. Eine Pfarrkirche zu errichten war immer Sache des Landesherren, eine Kapelle zu bauen, stand nach gnädiger Erlaubnis des Herrschaftsgebietes im Belieben der Gemeinden,. So hatten vordem schon die Landstuhler Bürger innerhalb der Mauern ihrer Stadt ihre Mutter-Gottes-Kapelle selbst erbaut (sie war übrigens gleichzeitig mit der Mittelbrunner Kapelle dem Verfall preisgegeben und musste 1725 geschlossen werden), so entstanden nunmehr zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus privaten Spenden der Gemeinden die Marienkapelle in Kindsbach (1711), die St. Ferdinands-Kapelle zu Weselberg (1711), zu Bann die Barbara-Kapelle. Mittelbrunn war kirchlich Filiale zu Landstuhl. In der Landstuhler Kirchenchronik lesen wir darüber: „ Es ist wohl anzunehmen, dass schon vor der Reformation der Frühmesser der St.-Andreaskirche in Landstuhl die Kirche in Mittelbrunn zu betreuen hatten. Da dieser Herr wegen der geringen Ergiebigkeit seiner Landstuhler Pfünde noch eine zweite in der Diözese Speyer innehatte, ist die Klage der Mittelbrunner über Nachlässigkeit der Landstuhler Geistlichen in der Verrichtung ihrer Dienste ganz verständlich“. Die festgesetzte Strafe für Abwesenheit bezieht sich wohl kaum auf den Geistlichen, sondern wohl auf die Glieder der Gemeinde. 5 Schilling Heller entspricht einem Gegenwert von 5 Laib Brot. Die Mittelbrunner hielten streng auf Kirchenzucht. Die angegebenen jährlichen Einnahmen an Geld und Naturalabgaben für die Kirche sind im Vergleich zu andernorts nachgewiesenen Fundationen oder Donationen minimal. Sie sind nur als freiwillige Verpflichtung der Dorfgemeinde zu verstehen. Mit den 26 Pfund Öl ist die entsprechende Menge Mohn gemeint, dessen Anbau damals auf dem Höhenland mehrfach nachgewiesen ist. Das Geld, 2 Pfund Heller, hatte die Kaufkraft von 1.5 Malter Korn.
Text und Skizze Chronik Mittelbrunn
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