Die Würschhauser Mühle
Ihren Namen verdankt die Mühle der ehemaligen Siedlung Werschhausen (Weshausen, Werineshausen - zu den Häusern des Werin), einer Gründung aus der Zeit der fränkischen Landnahme, vermutlich aus dem 8. bis 10. Jahrhundert.
Die um 99 erbaute Kapelle im Eichenwald bei der Faustermühle soll schon von Kirchgängern aus Werschhausen besucht worden sein. Urkundlich wird Werschhausen jedoch erstmals 1293 und 1560 erwähnt. Der Ort ist nebst der Mühle im Dreißigjährigen Krieg vernichtet worden. Noch 1935 stieß man bei Wasserleitungsarbeiten neben dem Sägewerkt Ziegler auf Fundamente diese einstigen Dorfes. Die Mühle wurde im Jahre 1725 durch Peter Scheffe, Schultheiß von Herschberg und Werschhausen, wieder aufgebaut. Besitzer wurde damals Peter Angne, dessen Nachkommen bis zum Jahre 1842 Müller dieser Mühle waren. Angne war wahrscheinlich Schweizer Einwanderer, der zu einer Hugenottenfamilie gehörte und nach dem Dreißigjährigen Krieg in das entvölkerte Gebiet kam. Er hatte sich 1726 mit Maria Margaretha, der Tochter des Schultheißen Peter Scheffe, verheiratet. Die Mühle war vier Generationen im Besitz der Familie Angne. Die Witwe des Peter Angne, Philippine, heiratete in zweiter Ehen den Müller zu Rieschweiler, Adam Bayer. Deren Sohn starb 1885. Dann war die Mühle 10 Jahre an Albert Lenhard von Schauerberg verpachtet. Der neue Besitzer Karl Ludwig Ziegler aus Schönenberg heiratete 1895 Bertha Bayer und hinterließ die Söhne Ludwig und Hermann.
Nach dem Wiederaufbau der Mühle im Jahre 1725 wurde Getreide gemahlen und Öl geschlagen. Das jetzige Wohnhaus erbaute Karl Ludwig Ziegler 1906 am Platze des alten Wohnhauses. Anstelle der eingegangenen Ölmühle wurde 1896 ein Sägewerk eingerichtet und mit Dampfkraft betrieben. 1949 wurde das Sägewerk auf die andere Straßenseite zum dortigen Wohnhaus Ziegler verlagert.
1924 erfolgte der Umbau und die Modernisierung der Getreidemühle. Die uralten Mühlsteine und Wasserräder mussten Wasserturbinen und Walzenstühlen weichen. 1959 wurde ein Lager mit eingebautem Getreidesilo erstellt, weitere drei Metallsilos und eine Trocknungsanlage entstanden, so dass der Großteil der Ernte aller umliegenden landwirtschaftlichen Betriebe aufgenommen werden kann.
Die Getreidemühle wurde seit 1934 von Ludwig Ziegler (nachgewiesene Müllerfamilie bis 1603) geführt und ging 1970 an Sohn Helmut über. Der ein oder andere erinnert sich noch an den "guten Müller von der Würschhauser Mühle", der in den leidvollen Nachkriegszeiten manchem Hungernden mit einigen Schaufeln Mehl aus der Not half.
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